Die Nudelpiraten

Es ist nicht der schlechteste Plan ein Buch zu schreiben, in dem man die Themen aufgreift, die beim Zielpublikum großen Anklang finden. André Sedlaczeks „Die Nudelpiraten“ scheint dahingehend auf den ersten Blick gut konzipiert zu sein, die meisten Kinder finden Piraten spannend und essen liebend gern Nudeln. Ein Buch, das beides miteinander verbindet, müsste da doch eigentlich die perfekte Unterhaltung bieten. Leider ist es nun aber so, dass auch das spannendste Thema eine fade Geschichte nicht mehr retten kann.

An Bord des Seeräuberschiffs „Nudelholz“ herrscht schlechte Stimmung. Der Hunger ist groß und die Entscheidung, was es zum Mittagessen gibt, scheint allzu schwer. Wir begleiten Smutje Al Forno, der nach frischen Eiern für den Nudelteig sucht und nebenbei die Piratenbande abklappert, um zu erfahren, wer was essen möchte. Zwar ist sich die Mannschaft einig, dass es Nudeln geben sollte, doch hat jeder einzelne Pirat hat seine ganz eigene Lieblings-Nudelsorte. Al Fornos Versuch es mit einem gemischten Nudelauflauf allen recht zu machen, stößt auf wenig Gegenliebe. Zum Glück haben Kapitän Riga-Toni und Schiffsjunge Napoli die rettende Idee…

Die Geschichte spielt zwar auf einem Piratenschiff, der Gedanke an spannende Seeabenteuer wird den LeserInnen aber schnell ausgetrieben. Auch Piraten brauchen manchmal eine Pause, es könnte wirklich interessant sein zu sehen, was sie neben Schatzsuchen und Kaperungen sonst noch so treiben. Tatsächlich geht es hier aber in erster Linie um Nudeln. Die Piraten, die Al Forno besucht, erzählen ihm von ihrer liebsten Nudelsorte, wie diese aussieht oder wie man sie am besten isst oder gar wie lange man sie kochen muss. „Die [Spiralnudeln] kann man mit einer Hand essen – und sie sich wie kleine Korkenzieher in die Speiseluke zuzeln! Und die brauchen höchstens 9 Minuten […].“ Das soll witzig und informativ sein, wirkt aber in beide Richtungen halbherzig und nicht besonders stimmig. Da es nun aber insgesamt doch eine lustige Geschichte sein soll, bekommen die Protagonisten auch gleich noch sprechende Namen, die auf ihre Lieblingsnudelsorte verweisen, da gibt es beispielsweise Matrose Spaghetto, Steuermann Fussilio oder Matrose Raviolaf. Im Verbund mit dem restlichen Text UND den Illustrationen wirkt das anstrengend, stellenweise auch albern.

Sedlaczek hätte hier mehr auf sein eigentliches Talent vertrauen sollen. Als Illustrator kann er mit seinen Nudelpiraten nämlich durchaus überzeugen. Die Piraten erinnern entweder ziemlich direkt oder in Details an ihre Lieblings-Nudelsorte, das ist weniger aufdringlich als im Text und lädt zum Entdecken und Vergleichen ein. Die Illustrationen sind farbenfroh und haben einen unverkennbaren Comicstil. Ich fühlte mich auch an diverse Adventuregames erinnert. Die illustrierten Szenen sind herrlich übertrieben dargestellt und beinhalten witzige Details, die letztendlich spannender sind, als die Geschichte selbst. Hier kommt dann doch noch ein wenig Piratenstimmung auf.

Am Ende des Buches bekommt man noch einen Hinweis auf die in den Bildern verstecken Eier, die der Smutje für seinen Teig gesucht hat. Wenn es einem nicht schon vorher aufgefallen ist, kann man also das Buch noch einmal durchblättern und mit dem Kind die Eier suchen. Der Geschichte voran- und hintangestellt sind sieben Nudelrezepte zum Nachkochen und der Text eines Piratenliedes, das man mit einfacher Melodie nachsingen kann. Das ist nettes Beiwerk, mehr aber auch nicht. Obwohl alles thematisch aufeinander abgestimmt ist, bekommt man viel eher das Gefühl, dass das Buch damit aufgewertet werden soll, weil die Geschichte an sich eben nicht gut trägt.

Die Nudelpiraten wird ab drei Jahren empfohlen.

Wem es schon Abenteuer genug ist, Nudelsorten kennenzulernen und ein paar lustige Comicillustrationen anzuschauen, der kann sich diesem Buch gern widmen. Alle anderen Seeräuber sollten dann doch lieber auf Schatzsuche gehen.


  • Die Nudelpiraten
  • Autor*in: André Sedlaczek
  • Illustrationen: Ders.
  • ISBN: 978-3-8303-1259-8
  • Verlag: Lappan
  • 32 Seiten
  • Hardcover

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